„Gefahrlos und unzensiert [s]eine Meinung äußern“ - Eine Selbstverständlichkeit?

Besuch des DDR-Zeitzeugen Wittenburg an der Robert-Bosch-Fachoberschule

 

Frei seine Meinung sagen zu können, sich frei ausdrücken und entfalten zu können, seinen Glauben ungehindert ausüben zu können, reisen zu können, wohin man will... Das alles ist für die heutige Jugend in Deutschland tatsächlich selbstverständlich. Wer kann es ihr verdenken? Sie kennt es nicht anders; und doch gibt es in Deutschland noch Menschen, die das Gegenteil erlebt haben, weil sie im DDR-Staat aufgewachsen sind. So auch Siegfried Wittenburg, Fotograf in der DDR, der seit 2014 an Schulen Zeitzeugenvorträge hält, um die Schülerinnen und Schüler von heute nicht vergessen zu lassen, wie wertvoll die Demokratie und die Grundrechte eines jeden Einzelnen darin sind.

 

Geboren 1952 in Mecklenburg-Vorpommern arbeitete Wittenburg zunächst als Funkmechaniker und setzte schließlich ab 1981 seine Leidenschaft für die Fotografie auch in die Tat um. In zahlreichen Ausstellungen widmete er sich dem Alltag im „real existierenden Sozialismus“ mit schonungslos ehrlichem Blick. Oft zu ehrlich für das DDR-Regime. Regelmäßig wurde er deswegen Opfer von Zensur. Unter anderem auch, weil er schon in jungen Jahren einen SED-Anwerbungsversuch abgelehnt hatte und seitdem unter Beobachtung stand. Ein Stasi-Spitzel bescheinigte ihm eine „kritische Grundhaltung“2, die ihn immer wieder mit dem System in Konflikt brachte. Geblieben ist Siegfried Wittenburg trotzdem bis zum Ende der DDR und dokumentierte bis dahin weiter fleißig den DDR-Alltag.

 

Mit solchen Fotos im Gepäck besuchte er am 11. Dezember 2017 (ermöglicht durch die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit) unsere Schule und schilderte dazu eindrucksvoll seine persönlichen Erfahrungen in der DDR, vor allem von den 1980ern bis zur Wende. Im Anschluss beantwortete er offen Schülerfragen. Auf die Frage einer Schülerin, ob er etwas aus seiner Zeit in der DDR bereue, entgegnete er ohne zu Zögern: „Nichts“; denn das sei genau das, wofür Menschen wie er gekämpft hätten: dass die nachfolgenden Generationen nun ein freies Leben führen können. Hoffentlich wissen sie/Sie es zu schätzen!

 

J. Faußner

 

 

1 Zitat in der Überschrift: Wittenburg, Siegfried; zitiert nach: http://www.gruesse-aus-der-ddr.de/bilder/flyer_gruesse-aus-der-ddr.pdf (Stand: 22.12.2017)

2 IM „Quartier“; zitiert nach: http://www.spiegel.de/einestages/fotograf-in-der-ddr-a-948994.html (Stand: 22.12.2017)

Datum der Veranstaltung: 
Montag, 11. Dezember 2017 Uhr