"Jeder Mensch hat einen Namen"*

Schülerinnen der Klasse 12HWV bei der Namenslesung
Die Klasse 13AIW liest Kurzbiographien von deportierten und ermordeten Kindern und Jugendlichen
Das Mahnmal
Inschrift des Mahnmals
Für jeden gelesenen Namen wurde eine Rose niedergelegt.

Namenslesung zum 9. November

Der 9. November ist eng mit dem Schicksal der Deutschen verknüpft: 1848 der Anfang vom Ende der Märzrevolution, 1918 die erfolgreiche  Novemberrevolution und damit verbunden das Ende des ersten Weltkriegs bzw. der Weg zur ersten deutschen Demokratie, 1923 der gescheiterte Hitler-Putsch. Diverse historische Ereignisse jähren sich an diesem Tag. Das traurigste darunter ist sicherlich die Reichspogromnacht von 1938, vielen auch bekannt unter dem von der Propaganda der Nationalsozialisten geprägten Begriff der „Reichskristallnacht“. Damit bezogen sie sich auf all die Scherben, welche die Ergebnisse der Ausschreitungen vor 80 Jahren gegen die jüdische Bevölkerung versinnbildlichten. In ganz Deutschland wurden Synagogen verwüstet und jüdische Geschäfte geplündert. Die jüdischen Bürger selbst wurden entweder ermordet oder deportiert. An diesem besonders dunklen Tag der deutschen Geschichte machte der unbändige Judenhass der Nationalsozialisten und ihrer Anhängerschaft vor nichts und niemandem Halt. Leider sollte dies aber noch nicht der Endpunkt, sondern erst der Anfang eines systematischen Völkermordes sein.

Im Gedenken an den Holocaust fanden deswegen am 9.11.2018 zahlreiche Veranstaltungen in und um München statt, initiiert von der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, darunter auch die Stadtviertelgedenkfeier „Von Milbertshofen nach Kaunas – Münchner Kinder und Jugendliche von heute gedenken der nach Kaunas deportierten Kinder und Jugendlichen“, unter Beteiligung der Städtischen Robert-Bosch-Fachoberschule Wirtschaft.

Gegen Mittag trafen sich die Vertreter dreier Schulen aus dem Bezirk Milbertshofen-Am Hart sowie interessierte Anwohner am Mahnmal für die Bewohner der „Judensiedlung Milbertshofen“ an der Knorrstraße 148. Der Chor des Staatlichen Gymnasiums München-Nord gab der Veranstaltung einen würdigen Rahmen. Im Anschluss an ein Begrüßungslied empfing der stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Bezirksausschusses, Delija Balidemaj (Bündnis 90/Die Grünen), die Anwesenden mit einem bewegenden Grußwort. Er stellte darin die Rolle des 9. November in der deutschen Geschichte sowie die des Viertels innerhalb Münchens heraus und betonte, dass gerade Kinder und Jugendliche die schutzlosesten Opfer der NS-Gewaltherrschaft darstellten, weswegen ihnen auch die folgende Namenslesung gewidmet sei.

An die Kinder und Jugendlichen von heute appellierte dann Christian Weigl, der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Dankeskirche vor Ort, indem er sie dazu aufrief, sich klar gegen aktuelle rechtspopulistische Tendenzen, die mittlerweile auch nicht mehr vor der Verwendung von NS-Vokabular zurückschreckten, zu positionieren.

Anschließend stimmte der Chor „Mama ana ahabak“ an, um das Publikum einzustimmen auf die Verlesung der Namen von knapp 170 Kindern und Jugendlichen, darunter sogar ein- und zweijährige Kleinkinder, die am 20. November 1941 zusammen (vom Ort der Gedenkveranstaltung aus) in das KZ Kaunas (Litauen) deportiert und dort fünf Tage später allesamt in einer Massenerschießung ermordet worden waren. Gelesen wurden jeweils die Kurzbiographien der Opfer sowie vier etwas längere Lebensläufe (von Oskar&Walter Abeles, Merry Gaber, Lore Levi und Thilde Schönwetter) von den Schülerinnen und Schülern der Städtischen Nelson-Mandela-Berufsoberschule Wirtschaft, dem Staatlichen Gymnasium München-Nord und unserer Schule. Für die Städtische Robert-Bosch-Fachoberschule Wirtschaft trugen die Klassen 12HWV (unter Leitung von Frau Faußner) und 13AIW (Herr Fischer) die Namen und Biographien vor, die sie im Vorfeld recherchiert hatten.

Nachdem die Liste der Namen aller Opfer verlesen und für jedes von ihnen eine weiße Rose, als Symbol dafür, wie unschuldig sie ihr noch so kurzes Leben lassen mussten, am Mahnmal niedergelegt worden war, verabschiedete Herr Balidemaj die Anwesenden schließlich mit den Worten: „Lasst uns daran arbeiten, dass so etwas nie wieder passiert“. Mögen wir alle diese Botschaft niemals vergessen!

 

J. Faußner und S. Fischer

 

*Die Überschrift des Artikels ist zugleich der Titel eines Gedichts von Zelda Schneersohn Mishkovsky (1914-1984)

Datum der Veranstaltung: 
Freitag, 9. November 2018 Uhr