Die dunkle Seite Münchens – ein Workshop der Klasse 11FWV im NS-Dokumentationszentrum

an der Brienner Straße, Ecke Königsplatz, beginnt am 18.05.2017 der Schultag der Klasse 11FWV der Städtischen Robert-Bosch-Fachoberschule. Es ist der Ort, an dem zur Zeit des Nationalsozialismus das „Braune Haus“ stand, die Parteizentrale der NSDAP. Eingerahmt ist diese Stelle von dem heute noch bestehenden Führerbau und dem dazu symmetrischen Verwaltungsbau. Die Gebäude waren von solcher Bedeutung, dass sie durch unterirdische Gänge verbunden sind. An dieses Tunnelsystem sind viele weitere Häuser an der Brienner Straße angeschlossen, die ebenfalls Unterorganisationen der NSDAP beherbergten.

Heute steht an dieser Stelle das im Jahr 2015 eröffnete NS-Dokumentationszentrum. Die Architektur des Kubus gibt durch seine Fenster nach jeder Seite den Blick auf die historischen Orte frei und bietet im Inneren eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und ihrem Münchner Ursprung.

Beim Besuch stand nach einer Führung durch die historisch schwer belastete Gegend bis zum Odeonsplatz vor allem die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit nach 1945 im Fokus.

Die Schüler erarbeiteten im Lernform anhand verschiedener interaktiver Quellen einzelne Themengebiete, die Sie abschließend in der Ausstellung präsentierten. Dabei ging um das Schicksal einzelner Münchner Juden, deren Wohnorte und Daten in großem Umfang erfasst und in einem interaktiven Stadtplan eingetragen sind. Dabei stellte sich heraus heraus, dass unweit des Standorts der Schule, in der Knorrstraße, sich ein Barackenlager für Juden befunden hat. Daneben wurden die Geschichte und der Umgang mit dem oben beschriebenen Areal inklusive des Königsplatzes erarbeitet. Auch das Wittelsbacher Palais (heute das Gebäude der Bayerischen Landesbank) sowie das ehemalige Konzentrationslager Dachau wurden von ein paar Schülern unter die Lupe genommen. Eine andere Gruppe präsentierte die Widerstandsgruppe der Weißen Rose und die heutige Münchner Erinnerungskultur daran.

Bemerkenswerterweise hat es 70 Jahre gedauert, bis an dieser brisanten Stelle ein solcher Ort der kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit eröffnet wurde. Das NS-Dokumentationszentrum bietet nun aber eine überlegt aufgebaute Ausstellung und ein gut ausgestattetes Lernforum, das eine interessante und abwechslungsreiche Arbeit mit verschiedenen Quellen ermöglicht und so die unrühmliche Rolle Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“ angemessen reflektiert.

S. Fischer

Datum der Veranstaltung: 
Donnerstag, 18. Mai 2017, 08:00 Uhr